Familie Breustedt / Uhlig

 (Die Mutter ist nicht auf dem Bild, weil sie den Fotoapparat hält)

 

Losung der Herrnhuter Brüdergemeine für heute, Samstag, 17. September 2022:
Gerechtigkeit und Recht sind deines Thrones Stütze, Gnade und Treue treten
vor dein Angesicht.
Psalm 89,15
So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten,
herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld.
Kolosser 3,12

Ein Beitrag von
Bert Brause M.A.(Magister der Erziehungswissenschaft),
Mitglied im Schulunterricht zu Hause e.V. (Schuzh)
Vorstandsvorsitzender Philadelphiaschule Ostsachsen e.V.


Liebe Freunde und Unterstützer der Heimschulbewegung,
hiermit veröffentliche ich meine Aufzeichnungen von gestern, 16.09.2022:
Normalerweise sitzt man als wartender Zeuge oder Sachverständiger bei Gericht in einem geheizten Flur oder Wartezimmer, nicht so beim Amtsgericht Sangerhausen. Dort sitze ich auf gerichtliche Anordnung bei herbstlich kühlem Regenwetter in einer zugigen engen Tordurchfahrt des Gerichtsgebäudes. Wahrscheinlich wird auch nicht jeder Zeuge hier so behandelt, sondern nur unliebsame Personen, die vermutlich die Entscheidungen der Direktorin am Amtsgericht Braun kritisieren werden und die mit den betroffenen Eltern der in Obhut genommenen Kinder Gwendolin (6 Jahre) und Jonathan (12 Jahre) das Gerichtsgebäude betreten wollen. Ab und zu fährt ein Auto durch den Torweg und mir fast über die Füße.


Dass Homeschooling oder Freilernen in Deutschland immer mehr Anhänger und Anerkennung findet und vor wenigen Monaten alle Kinder zuhause lernen mussten, wurde scheinbar am Amtsgericht Sangerhausen nicht bemerkt.
Am 24.8.2022 fand der groteske Polizeiangriff auf die Familie Breustedt/ Uhlig statt. Am frühen Morgen, gegen 7 Uhr, stürmten etwa 40 Polizeibeamte das kleine Haus der Familie im Dörfchen Wickerode in der Gemeinde Südharz. Die Mutter ist Diplombiologin, der Vater Handwerker. Zusammen mit ihren Kindern konnten sie sich für Natur, einfaches Leben, Mittelaltermärkte, Bücher, alte Möbel und vieles andere begeistern. Seitdem Sohn Jonathan wegen der Corona- Maskenpflicht in der Schule gemobbt wurde ( er konnte tatsächlich keine Maske tragen, da er darunter an Atemnot litt und blau wurde), nahmen die Eltern das intelligente aber entmutigte Kind aus der Schule und unterstützten den Jungen in seinen Lernbestrebungen zu Hause. Dort gibt es sehr viele Bücher, verschiedene Materialien und Rohstoffe, die zu Experimenten locken, Schafe, Hühner, Obstwiesen ... . Jonathan entfaltete sich zusehends.
Störend waren nur immer wieder Briefe von Jugendamt und Familiengericht. Es war vielleicht ein großer Fehler, dass die Familie den Sommer über alle diesbezüglichen Briefe ignorierte. Es war Sommer!


Unangenehm ist für mich außerdem, dass hier in der Tordurchfahrt sämtliche Kettenraucher des Amtsgerichts sich aufhalten und man im Freien nicht mal frische Luft genießen kann und sich das angesichts der deprimierenden Tatsachen ohnehin ungute Bauchgefühl durch die Tabakdämpfe unangenehm verstärkt. Wenigstens kommt jetzt die Sonne heraus, so dass ich weniger friere. Der Polizeieinsatz war übrigens perfekt geplant. Die Mutter konnte rechtzeitig vor dem Aufbrechen der Tür mittels Stahlramme, die Tür öffnen, auf Anweisung den Hund der Familie einsperren, so dass er vom Ordnungsamt beschlagnahmt werden konnte (die Polizei drohte mit Erschießung) und nach draußen gehen. Vater und Kinder konnten hinten in den Garten gelangen, wo nur einige Polizisten der Kripo in Zivil über den eingedrückten Zaun kamen. Sie wurden vor das Haus begleitet. Die Polizei mit einem dreiköpfigen Fototeam stürmte das Haus und die Nebengebäude im Auftrag der Gerichtsvollzieherin (wegen der gerichtlich auferlegten Zwangsgelder wegen Nichterscheinen bei Gericht). Es stellte sich später heraus, dass die Fotografen gezielt die Unordnung vermehrt und ins Bild gesetzt hatten, nicht als ob sie den Bestand an Wertgegenständen dokumentieren wollten, sondern die Familie diskreditiert werden solle. Obwohl die Familie jetzt bereits auf dem Hof unter Polizeiaufsicht war, legte man der Mutter Handschellen an und nahm sie mit auf die Polizeistation – zur Identifizierung, da sie, barfuß und vom Polizeieinsatz geweckt, keinen Ausweis einstecken hatte aber auf einem unterschriebenen Beschluss und eine Erklärung der Vorgänge beharrte.

Der Vater wurde zur Vermögensauskunft erpresst, dann wurde von der Polizei Gefahr im Verzug gemeldet. Die zufällig ? anwesenden Jugendamtsmitarbeiter hatten gute Gelegenheit, die Kinder abzuführen. Die nur notdürftig bekleideten Kinder erhielten auf bitten des Vaters von den Polizeibeamten die Möglichkeit eingeräumt, sich korrekt anzuziehen. Dann wurden sie gegen ihren heftigen Protest und weinend in ein Auto gebracht und noch am selben Tag im 250 km entfernten Königs Wusterhausen in einem Kinderheim untergebracht und sogar sofort vom Jugendamt amtlich gemeldet, noch bevor das
Jugendamt überhaupt vom Amtsgericht das Aufenthaltsbestimmungsrecht erhielt. Das wurde nämlich erst am Tag darauf innerhalb eines Eilverfahrens nachgeholt. Die Anhörung der Kinder war erst gestern, die der Eltern heute,am 16.9.2022, also 23 Tage nach der gewaltsamen Trennung der Familie.Erst bei der Anhörung erfuhren die Kinder, dass ihre Mutter und ihr Hund wieder nach Hause durften. Sie glaubten bis dahin, dass ihre Mutter im Gefängnis sei. Auch nach zweieinhalb Stunden Verhandlung werde ich noch nicht in den Verhandlungssaal gerufen und muss weiterhin im Kalten warten. Endlich, nach fast drei Stunden kommen die Eltern, Jugendamtsmitarbeiter, Amts- und Verfahrenspfleger aus dem Gerichtsgebäude. Es gibt noch ein kurzes Gespräch mit dem Amtspfleger, der am Montag zum ersten mal nach der Inobhutnahme und Unterbringung selbst nach  Königswusterhausen zu den Kindern fährt. Er verspricht, einen Brief der Eltern an die Kinder mitzunehmen, der aber nur mit E-mail an ihn geschickt werden kann. Der Koffer mit Kleidung, den die Eltern am 26.8. beim Jugendamt abgeben durften, wird dann auch den
Kindern übergeben werden, nach dann 24 Tagen. Die Eltern stehen ratlos davor. Jeder Tag zählt, aber für das Jugendamt ist jetzt Wochenende und danach haben sie auch nicht gleich Zeit für den Fall. Bevor sich die Eltern nicht einem psychologischen Gutachten unterziehen will die Richterin gar nichts entscheiden. An diesem an und für sich unbegründetem Gutachten mitzuwirken haben die Eltern aber keineswegs vor. Sie sind
vielmehr entschlossen, weiter zu protestieren.

Diesen Protest wollen jedenfalls wir unterstützen. Die Eltern laden mich noch in ein romantisches Dorfgasthaus ein. Auf dem Weg kommen wir an großen Hofgebäuden vorbei. Der Vater berichtet, dass dort ein alter Schäfer wohnt, der mit der Familie befreundet ist und dem die Inobhutnahme der Kinder sehr zu Herzen gegangen war. Er hatte sofort überlegt, wie er den Kindern helfen könnte und wo er einen geeigneten Rechtsanwalt finden könnte. Vor der Gaststätte treffen wir noch zwei Jungen, die grüßen und sich nach Jonathan
und Gwendolin erkundigen. Die Eltern erzählen, das sind zwei von Jonathans besten Freunden, mit denen er im Sommer oft in der Natur unterwegs war. In der Gaststätte nimmt noch eine Kellnerin lebhaften Anteil am Schicksal der Kinder. Man merkt, die Familie ist, obwohl zugezogen, gern gesehen im Umland und viele würden gerne helfen, damit die Kinder bald wieder nach Hause können.


Bitte beten auch Sie dafür, dass den in Gewahrsam genommenen Kindern kein bleibender Schaden
zugefügt wird und sie so schnell wie möglich wieder zu ihren Eltern zurückkehren dürfen. Für die Eltern hat sich sehr kurzfristig ein kompetenter Anwalt gefunden. Einen Rechtsanwalt, der die Kinder auf Prozesskostenhilfebasis vertritt, und vor allem mit ihnen in der Wohngruppe kommuniziert, suchen wir noch.


Protestschreiben kann man richten an :
Direktorin am Amtsgericht Braun
Amtsgericht Sangerhausen
Markt 3
06526 Sangerhausen

ag-sgh@justiz.sachsen-anhalt.de


Landkreis Mansfeld-Südharz
Jugendamt
Rudolf-Breitscheid-Str. 20/22
06526 Sangerhausen

jugendamt@lkmsh.de


Noch wichtiger sind Grußbriefe an die Kinder, die zu richten sind an den Verfahrenspfleger:
christoph.hanke@lkmsh.de
mit dem Betreff: „bitte an Jonathan Breustedt und Gwendolin Uhlig übergeben“

oder direkt an das Kinderheim:
Jonathan Breustedt und Gwendolin Uhlig
Sozialmanufaktur Berlin
Wohngruppe Zernsdorf
Friedensaue 19
15712 Königs Wusterhausen
verwaltung@sozialmanufaktur-berlin.de


Wer direkt mit den Eheleuten Kontakt aufnehmen und sie ermutigen oder helfen möchte :
Kathrin Breustedt und Alexander Uhlig
Wickeröder Landstr. 32
06536 Südharz
seiferin@web.de


Über den aktuellen Stand der Dinge wollen wir auf der Homepage des Schuzh e.V. www.schuhz.de
berichten.
Mit freundlichen Grüßen
Bert Brause